Welcome
David Williams

Choreographer



(49) 177 2730115
wdw1@mac.com

Choreographic Projects


Wishful Thinking
Theaterlabor Bremen
05.12.08

Of being somewhere
Staatstheater Braunschweig
12.04.08

SeaChange
Theaterlabor Bremen
07.12.07



Ballettabend 'Vier Mal Leben.'
Stück Flutter/Flattern
Theater Regensburg
Premiere 20.10.07


"Hinterland"
Staatstheater Brausnchweig.
Premiere: 05.05. 2007

Noverre -Gesellschaft evening
Stuttgart Ballet
29-30 June 2007

Choreographic Works

Staatstheater Braunschweig

2007 'Physical graffiti' Full evening
perfomance -6 dancers

2005 'Roadside Attractions' Full evening
performance - 15 dancers

2004 'Ballroom Dreamings' Full evening
performance - 15 dancers

2003 'sketches of suburbia' presented in
triple bill - 4 dancers

2002 'in the stillness of e(motion)'
presented in triple bill - 9 dancers

Other
1999 'Untitled' presented as part of
children's ballet evening ‘Upps’
at the Meeting Neuer Tanz Festival.

1997 'new journey' and 'fumbling in the
dark' presented at the
Meeting Neuer Tanz Festival. NRW

Landestheater Detmold
1995-1998
Dance Human Fragility, Skythische Suite,
new journey

Theater Peer Gynt, Sleeping Beauty,
1920s Revue

Opera Salome, Rusalka,

Musical Der Rattenfanger von Hameln
Das Leben – ein Spiel auf doppeltem Boden
Ballett-Premiere mit vier Stücken / Anspruchsvolles Niveau und Verständlichkeit fürs Publikum

Von Harald Raab, MZ

REGENSBURG. „Viermal Leben“ auf der Bühne – so der Titel der großen Ballett-Produktion der Saison 2007/2008 – und ein fünftes Mal Leben im Begeisterungsrausch des Premieren-Publikums.

Ballett-Chef Olaf Schmidt konnte seinen Traum verwirklichen, eine eigene Choreographie mit den Arbeiten dreier Kollegen in Konkurrenz zu setzen. Was dabei auf der viel zu beengten, weil nicht genug tiefen Bühne des Velodroms herausgekommen ist, weist im Grunde keine so großen Unterschiede auf.

Die ästhetische und technische Qualität der vier Choreographien ist unbestritten hoch. Neben Olaf Schmidt setzen Ivonice Satie, Allan Scott Philips und David Williams auf Verständlichkeit und Eingängigkeit ihrer Stücke. Ästhetische Verstörung bleibt aus. Man tanzt den Balance-Akt zwischen Niveau und Publikumsverträglichkeit. Längst befreit aus den klassisch-normierten Formgesetzen und mit erweitertem Choreographenhorizont, wird doch immer wieder Tanzmaterial des dance d’école zitiert – ironisch gebrochen, versteht sich.

Beim Titel des zweiten Stücks „Flutter/Flattern“ befürchtet man Schlimm-Liebliches: Schmetterlingsgeflatter wird dazu auch im Programmheft als Assoziationsbrücke angeboten. Die Damenriege der Truppe tritt gegen die vorausgegangenen Männerrituale an. Aber von wegen flatternde Schmetterlinge. In so etwas wie einer Traumsequenz mischen sich die Mädels selbst auf: Sandrine Cassini, Nylea Mata Castilla, Sandra Hasanovic, Kumiko Hirao, Sara Leimgruber und Emi Kuzuoka.

Abstrakt-bizarre Posen

Vor einer hellblau hinterleuchteten Reflexionswand herrscht ein munteres Chaos, keine Aneinanderreihung von Szenen und Bildern und am Ende doch so etwas wie eine Ahnung von Ordnung. Jede tanzt gegen jede in abstrakt-bizarren Disco-Posen. Dann wieder formiert man sich zum Zwei-, zum Dreikampf: Catch-as-Catch-can mit athletischem Gestus und wild bis grotesk verschlungenen Körperformationen.

Die Choreographie von David Williams setzt auf jagendes Tempo und fordert doch raffinierte Bewegungsdetails von den Tänzerinnen. Da entfaltet sich nichts. Da dominiert der Augenblick, die Aktion und die Reaktion im Jetzt. Die Atmosphäre zählt und die ist dicht, spannend und voll lustvoller Bewegungsintelligenz. Die Tänzerinnen gehen darin mit sichtbarem Spaß voll auf.



David Williams sucht in seinen Choreografien nach einer Sprache für die sozialen Seiten des Daseins. Seine Themen findet er in der Beschaffenheit von Lebensumständen und -zusammenhängen, die Menschen beherbergen oder einengen, revoltieren lassen oder versöhnen, die unsere Emotionalität sichtbar werden lassen – wie beispielsweise das Leben in einer Kleinstadt, dem Ausgangspunkt seines neuen Stückes.

Getanzte Träume vom Beziehungsglück



David Williams belebt in "Ballroom Dreamings" am Staatstheater Braunschweig eine alte Sehnsucht neu

Von Andreas Berger

Die Beziehung – ein Traum. Rückwärts bewegen sich Mann und Frau in langsamen Tanzschritten aufeinander zu. Und verfehlen sich. Jeder tanzt mit seinem imaginären Partner weiter, die ausgestreckten Arme umschließen einen nur ersehnten Körper. In der 60er-Jahre Tapete, unter dem halb geborstenen Leuchter scheinen die beiden Tänzer in Ballkleid und Smoking wie die Ahnen jenes Traums vom Beziehungsglück, das sich so oft in den öffentlichen Tanzsälen knüpfte.

David Williams stellt diese Sehnsucht in den Mittelpunkt seines ersten abendfüllenden Tanzstücks "Ballroom Dreamings", das jetzt im Kleinen Haus des Staatstheaters Braunschweig seine umjubelte Uraufführung erlebte. Nach dem "Sketches of Suburbia"-Erfolg gelingt dem Braunschweiger Tänzer sein choreographisches Meisterstück: Mit einer exzellenten Musikauswahl, vorzüglich getimten Wechseln von rasanten Gruppenszenen, dramatischen Soli und ruhigen Besinnungsphasen entwirft er das Abbild der Gesellschaft der vergangenen 50 Jahre – gespiegelt im Tanz.

Die 60er-Jahre-Tapentenbox im Hintergrund ist in Ulrike Melniks atmosphärestarkem Bühnenbild so etwas wie der heilige Schrein des Traums. Doch Williams’ Tanzfläche weitet sich vor ins Parkett, und da reihen sich die schick gemachten Jugendlichen der neuen Generation auf. Nach Geschlechtern getrennt wie in der Tanzstunde. Im Hintergrund geben die stummen Blicke der an die Wand gelümmelten Jungs, der gespielt uninteressiert auftretenden Frauen den Fokus der Bewegungen vor: Hier werden Eroberungen gemacht, mit dem Körper, mit dem Herzen, wer weiß.

Da bleiben Sascha Halbhuber und Rory Stead als sich anstachelnde Jungs zunächst ebenso ineinander verhakt wie die besten Freundinnen Sabrina Bonneu und Annett Gurtler. Es dauert, bis das gegenseitige Zurückhalten, das eitle und doch scheue Sich-Produzieren der kreuzweisen Verbindung weichen. Zu "Yesterday" dürfen Sascha und Sabrina eng umschlungen schmusen, während Yukie Koji ihre unerfüllte Sehnsucht über den Boden rollt. Mit angezogenen Beinen in sich gekrümmt, dann offen ausgestreckt für den fiktiven Partner.

Doch Williams hat auch viel Sinn für die heiteren Seiten der Sehnsucht. Wenn Daniel Soulié und Thiago Junqueira Fazio als Machos um Nathalie Nad-Abonji buhlen, wird die Begehrte an jeder sich bietenden Gliedmaße dem anderen enthoben. Tiberiu Voicu guckt sich erst sichernd um, bevor er das Mikro im leeren Raum ergreift, um "My Way" zu singen. In der Punk-Fassung der Sex Pistols wird es ein furioses Solo aus Stilfetzen wie Haare-Zurückstreichen und expressivem Stürzen, Fallen, Rollen.

Ob Tango-Wiegen oder die Überschläge des Rock’n’Roll: Williams nimmt sie nur als angedeutete Zitate auf, erzählt sonst mit seinem Bewegungsvokabular von den Gefühlen, die dahinter stecken. Unter der Diskokugel schleudern sich Nathalie und Tiberiu in die Ecken. Getrennt machen sich die Männer mit Boxbewegungen, die Frauen mit Aerobic-Übungen wie vorm Spiegel fit für die Disko: Doch die Begegnungen sind flüchtig, nach sekundenschnellem Duo-Sport wird sie flachgelegt, oder er geht zu Boden. Das war’s?

Williams zeigt, wie der technische Rhythmus auch im Tanz die Beziehungen zerhackt. Wechselnde Formationen turnen ihr Repertoire durch, ohne dass noch Zeit bliebe zur menschlichen Kontaktaufnahme. Beeindruckend präzise agieren die Tänzer auch hier. Nach dem finalen Sturz nur noch Keuchen.

Doch es gibt Momente des Innehaltens, wenn Maida Kasarian zu meditativem Schallplattenknacken in Balance-Übungen ihr Alleinsein reflektiert. Und zuletzt siegt der Traum: Llewelyn Malan und Andrea Svobodová, das Astaire-Rogers-Paar des Beginns, tanzen in kosmischem Licht vereint von der Bühne.

Der alte Ballroom-Traum lebt in uns allen. Mitreißend wild, dezent heiter, poetisch-ruhig hat ihn Williams belebt. Die reife Leistung einer enormen künstlerischen Potenz.


Braunschweig, 07.05.2007

"Dependent Behaviour" von Cayetano Soto und „Hinterland“ von David Williams

Neues beim Braunschweiger Ballett

In "Dependent Behaviour" stehen die TänzerInnen zu Beginn des Stücks erwartungsvoll aber doch lässig und entspannt dem Publikum den Rücken zugewandt vor dem noch verschlossenen Vorhang. Musikalische Fragmente untermalt von Funkpixeln und an Echolotgeräusche erinnernde Fetzen kreieren einen artifiziellen Klangraum. Der Vorhang hebt sich und wir betrachten die leere Bühne einer futuristisch anmutenden Welt wie sie James Cameron in der Kultserie Dark Angel gezeichnet hat.

Da sind wir also angekommen in der Zukunft, einer tristen perspektivlosen Zukunft in der es keine Gefühle, keine zwischenmenschlichen Begegnungen, kein Leben mehr gibt, und nur noch die Mensch-Replikanten aus Menticore allein gegen die Unmenschlichkeit des Systems kämpfen und zu überleben versuchen.

Cayetano Sotos Welt ist eine sinnentleerte, öde Welt, in welcher der Mensch lediglich über die Funktion imstande ist zu existieren. Die Menschenmaschinen dieser Welt sind gezwungen sich ihren Weg, in einem Zwischenraum, ständig auf der Flucht, kontrolliert durch das Mikroskop des Fliegenden Auges und die unablässig suchenden Scheinwerfer, zu bahnen. Mit kraftvoll dynamischen und interessanten sportlich anmutenden Bewegungsabläufen und -varianten erkämpfen sie sich ihren Platz in dieser utopisch anmutenden Szenerie.

Jeden Augenblick erwarten wir Jessica Alba in einem atemberaubenden Stunt über die Bühne schweben zu sehen. Mara Vivas in ihrer anmutenden Fraulichkeit läßt immer wieder einen Hauch von Jessica Albas Schönheit entstehen. Doch Vivas kämpft wie Alba in Dark Angel einen einsamen Kampf. Es geht um das nackte Überleben. Der Mensch kämpft diesen Kampf alleine und wenn es einmal zu einer Begegnung kommt, gibt es keine Kommunikation, kein wirklicher Kontakt findet statt. Es sind Maschinen wie in Terminator, die diese leere Zukunft bevölkern. Maschinen würdigen sich keines Blickes, arrogant und mechanistisch spulen sie ihr Pensum ab und nach getaner Arbeit wenden sie sich dem nächsten Prozeß zu.

In dieser Atmosphäre sind der Freiheit der Bewegung immer engere Grenzen gesetzt, so dass den mutierten Bewegungsakrobaten nur noch minimale Bewegungsreplikationen in Form von Körperzuckungen verbleiben, die eine für meinen Geschmack zu deutliche Anlehnung an Marco Goeckes Stil erkennen lassen.

Zum Ende bleibt in dieser Gesellschaft kein Spiel- und Bewegungsraum mehr übrig, als die letzte verbleibende Tänzerin gefangen innerhalb eines Lichtquadrates in absoluter Bewegungslosigkeit erstarrt. Man kann nur hoffen, daß dies nicht der innere Beweggrund für die TänzerInnen (wie im Programmheft angeführt) in der Ausübung ihrer Kunst ist. Dies wäre wahrlich eine düstere Zukunftsperspektive.

David Williams setzt sich dagegen angenehm positiv von dieser trostlosen Endzeitvision ab. Hinterland erzählt konkrete Geschichten aus dem Leben.

Ja, wir befinden uns im Hinterland, in der Einöde, wo das Leben in noch scheinbar geordneten Bahnen verläuft und bestimmten vorgegebenen Ritualen und Abläufen unterliegt. Im Hintergrund nimmt man die auf den leeren Landstraßen vorbeidonnernden LKW's wahr, die das im Abseits der übrigen Zivilisation liegende Hinterland vergegenwärtigen.

Die Bühne ist mit kleinen Strandhütten bevölkert, die den für die Landbevölkerung eigenen wie auch den gleichfalls einegenden Raum verdeutlichen. Mit dem so gestalteten Bühnenraum befinden wir uns in der Welt des von Jacques Tati erfundenen Monsieur Hulot, den wir jeden Augenblick über die Bühne schlendernd erwarten. Der Alltag auf dem Lande ist, wie in Hulots Kosmos ein banaler, jeden Tag im gleichen Rhythmus ablaufender, sich in unablässig monotonen Bahnen wiederholender Alltag in konstanter Langeweile.

Hier begegnen sich die Menschen, sind gezwungen sich auseinanderzusetzen und zu konfrontieren. Machtlos sind sie den Gegebenheiten ihrer Umgebung und den Zwängen der vorherrschenden Gesellschaftsordnung ausgeliefert. In kleinen klar abgesteckten Episoden deckt Williams immer wieder diese bestehende Problematik auf und karikiert sie, ohne erhobenen Zeigefinger auf eine humoristische Art und Weise.

Dafür findet David Williams eine reiche ausdrucksstarke und eigene Bewegungssprache. Schade, daß der Eindruck entstand, dass dem Schöpfer in den Übergängen zu den diversen Solis, Duos und Trios (die sich deutlich erkennbar mit den Problembereichen der Trennung, Emanzipation, Schmerz und Wut in Relation setzen) der Mut fehlte seinem Vokabularreichtum gänzlich zu vertrauen. Insgesamt hat Williams jedoch den Mut besessen den TänzerInnen viel kreativen Freiraum zu lassen, was dem Stück sichtbar gut tut.

Ganz stark ist die Square-Danceeinlage in Cowboymanier mit einem Folksong zu U2's "I still haven't found what i was looking for" die die Notwendigkeit des Neben- und Miteinanders des Landlebens aufdeckt und mit der uns David Williams einen positiven Aspekt dieses im eigentlichen Sinne doch traurigen Liedes nahebringt: wenigstens habe ich es versucht, und ich versuche es weiter und weiter und weiter...

Am Ende eines langen Tages sitzen schließlich alle gemeinsam in der Abenddämmerung zusammen und der Dorfbarde spielt auf der Gitarre und singt (überraschend angenehm, einfühlsam und sicher im Gesang Tiberiu Voicu). Die spinnen die Städter.

Starker Applaus für beide Stücke bei leider nur halbvoll besetztem Haus.

Wieder am 16., 24., 26. Mai, 1., 5., 23. Juni.

Autor: Charles Guillaume
www.tanznetz.de


Gießen, 07.06.2007

Stadttheater wurde zum Mekka des zeitgenössischen Tanzes

5. TanzArt ostwest in Gießen


„Schwerelos“
Für die Unermüdlichen ging es am Sonntagabend noch weiter mit der TanzArt. Das Theater im Löbershof (TiL) war bis auf die letzten Winkel ausgefüllt, so viele Tanzbegeisterte wollten die letzten Aufführungen noch erleben. „Welcome to Heaven“ titulierte die Gruppe Stahltanzwerk aus Lüneburg (Heidrun Stahl) ihr Stück und zeigte wie bürokratisch es auch im Vorraum des Himmels zugeht. Mit einer überaus dynamischen Choreographie überraschte die 6-köpfige Gruppe aus Braunschweig (David Williams). Unter dem Titel „Physical Graffiti“ wurden wahrlich explosive Körperbilder gezeichnet, die mit begeistertem Applaus honoriert wurden.
Aus London war die Dog Kennel Hill-Gruppe gekommen, die ihren Namen vom Hundezwinger in ihrer Straße ableitet. Das gezeigte Stück „A Cross and then Across“ wirkte sehr hermetisch: ein Paar agierte neben einer Solistin, die Ritual-Symbolik erschließt sich nur schwer. Die Compagnie Irene K. aus Belgien (Irene Kalbusch), die im vergangenen Jahr mit ihren Außenraum-Performances begeisterte, zeigte in diesem Jahr ihr neues Zweipersonenstück „Inside & Out“, in dem David und Denise zwischen Emotion und Körpererfahrung pendeln. Das Experiment mit dem eigenen Körper geschieht vor teils hämmernden bis unheimlichen Toncollagen, etwas mehr Gesamtdramaturgie täte gut.
Das Ende des Festivals bildete – wie symbolisch! – eine Choreographie über das Ende des Lebens: „RequiemMozartTanz“ vom Theater Nordhausen (Jutta Wörne). Den 12 jungen Tänzern und Tänzerinnen hätte man eine größere Bühne gewünscht, ihre Präsenz bleibt jedoch ungebrochen. In hautfarbenen Kostümen, die je ein barockes Zierelement wie Rüsche oder Schleife trugen, agierten sie über lange Strecken in geschlossenen Gruppenbildern. Mozarts Requiem ist eine berührende Musik, deren elementare Wirkkräfte in dieser beeindruckenden Choreographie personifiziert sind: Leben und Tod, Angst und Kampf.

Dagmar Klein

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